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         Erste-Hilfe kompakt              


                             Notfallstichwort: Wespenstich und Co.


                                                                                                                                                                                                                             Empfehlungen des Bundesfeuerwehrarztes


Im Sommer bei warmen Temperaturen und Sonnenschein zieht es die meisten Menschen ins Freie. Ob am Badesee, im Freibad oder in der Eisdiele, beim Sport oder anderen Aktivitäten – die Hauptsache ist, man ist draußen. Aber trotz aller Freude, ist auch Vorsicht geboten.

Gerade das kühle Eis, das leckere Stück Kuchen oder die süße Cola locken viele Insekten an, vor allem Bienen und Wespen. Diese Tiere würden von sich aus keinen Menschen angreifen, fühlen sie sich jedoch bedroht, stechen sie zu.


Im Normalfall ist ein Wespenstich zwar schmerzhaft, für einen erwachsenen Menschen aber ungefährlich. Die typischen Symptome eines Wespenstiches sind die rötliche Färbung der Haut direkt um die Einstichstelle, teils sehr starker Juckreiz, Schmerzen und ein Anschwellen der betroffenen Region. Anders sieht dies allerdings bei Menschen aus, die auf Insektenstiche (meist Bienen,Wespen oder Hornissen) allergisch reagieren. Die Folgen können von einer Verstärkung der oben genannten Symptome, über die Ausbreitung der allergischen Reaktion auf den gesamten Körper bis – im Extremfall – zum Tode führen.
Laut statistischem Bundesamt gibt es bundesweit immerhin 40 Todesfälle pro Jahr
bedingt durch Bienen- oder Wespenstiche. Es wird aber geschätzt, dass die Dunkelziffer
weitaus höher liegt.


Doch warum reagiert der Körper auf das Gift eines kleinen Tieres so extrem?
Kurz ausgedrückt ist eine unangemessene Überreaktion des eigenen Immunsystems
Schuld daran. Ein „normal“ funktionierendes Immunsystem erkennt körper-fremde Stoffe (wie zum Beispiel Bakterien oder Viren) und bekämpft diese. Diese Abwehrreaktion kann je nach Stoff und Menge ablaufen, ohne dass wir etwas bemerken oder aber es kommt zu einem Krankheitsausbruch (zum Beispiel mit Fieber). Es kann jedoch vorkommen, dass das Immunsystem unangemessen heftig auf eigentlich ungefährliche Stoffe reagiert und die körpereigene Abwehr mobilisiert. Hierbei werden mehrere Substanzen im Körper freigegeben, die wichtigste ist Histamin. Die vermehrte Ausschüttung von Histamin löst unterschiedliche Reaktionen im Körper aus.

Die extremste Reaktion auf allergene Stoffe ist der allergische Schock (medizinisch: anaphylaktischer Schock), welcher durch eine plötzliche Umverteilung des Blutvolumens gekennzeichnet ist. Hierbei können Haut, Luftwege, Blutkreislauf und Magen-Darmtrakt einzeln oder als Komplex reagieren.


          Die Schwere der Reaktion kann in vier Stufen unterteilt werden: 

Stadium Haut Atemwege Kreislauf Sonstiges
I Juckreiz, Rötung   Schwindel Kopfweh, Angst
II   Leichte Luftnot Blutdruckabfall,
Herzrasen
Übelkeit, Erbrechen
III   Schwere Luftnot,
Bronchospasmus
Schock  
IV   Atemstillstand Kreislaufstillstand Bewusstlosigkeit


Bei einem anaphylaktischen Schock, wird durch die Ausschüttung zum Beispiel
von Histamin eine lebensbedrohliche Kettenreaktion ausgelöst. Durch die Erweiterung
der Blutgefäße sinkt der Blutdruck so schnell ab, dass eine Durchblutung aller Organe nicht mehr gewährleistet werden kann. Hinzukommt, dass bei einem Schock Flüssigkeiten aus den Gefäßen austreten können und sich als Ödeme (Schwellungen durch Flüssigkeitsansammlung) im Gewebe ablagern. Durch die Minderdurchblutung bricht der Kreislauf zusammen, es kann zu starker Atemnot
kommen – bis hin zum Herzkreislaufstillstand.


Die allergische Reaktion auf einen Wespenstich erfolgt in der Regel unmittelbar nach dem Eindringen des Giftes in den Körper und kann sich innerhalb kürzester Zeit zu einer lebensbedrohlichen Situation entwickeln. Daher ist es wichtig, dass die Therapie schnell beginnt, um eine zunehmende Verschlechterung des Zustandes zu unterbrechen. Da ein Notarzt in vielen Fällen in dieser sehr kurzen Zeitspanne nicht vor Ort sein kann, ist es wichtig, dass Allergiker ein Notfallset mit den passenden Medikamenten ständig bei sich tragen.


Was kann der Ersthelfer bei einem Wespenstich tun?
Wie bei allen Verletzungen oder Erkrankungen ist die erste Regel auch hier:        

                                           Ruhe bewahren!

Dies gilt sowohl für die betroffene Person und den Ersthelfer, als auch
für alle Umstehenden. Hektik oder gar Panik hilft in einer Notsituation keinem. Die betroffene Person soll sich hinsetzen, möglichst in den Schatten oder auch ins Haus, um eine erneute Konfrontation mit Wespen oder Bienen zu vermeiden. Kühlen Sie die Einstichstelle beispielsweise mit einem Eisbeutel (nicht direkt auf die Haut legen, sondern vorher zum Beispiel ein Küchenhandtuch herumwickeln). Fragen Sie den Betroffenen, ob eine Allergie gegen Insektenstiche bekannt ist. Wenn ja, fragen Sie ob er ein Notfallset bei sich hat. Helfen Sie dem Betroffenen im Zweifel bei der Einnahme der Medikamente. Im Normalfall ist ein Wespenstich zwar eine schmerzhafte, aber keine gefährliche Angelegenheit. Bei einem Allergiker kann sich der Zustand jedoch rapide verschlechtern. Bleiben Sie daher die gesamte Zeit bei dem Patienten, beobachten Sie seine Reaktionen und die Einstichstelle. Entwickeln sich übermäßige Schwellungen? Breitet sich die Rötung weit über die Einstichstelle aus? Bekommt der Betroffene Ausschlag oder sogar Atemnot? Ist dieses der Fall, muss frühzeitig der Rettungsdienst über die europaweit gültige Notrufnummer 112 alarmiert werden. Auch wenn eine schwere anaphylaktische Reaktion selten ist,im Einzelfall können Menschen äußerst empfindlich auf Insektenstiche reagieren. Rasche Hilfe ist hier lebensrettend! Wird eine Person in den Gesichts- bzw. Halsbereich oder von innen in den Rachen (zum Beispiel durch Verschlucken) gestochen, sollte in jedem Fall sofort der Rettungsdienst alarmiert werden. Auch bei Personen, die nicht übermäßig auf Wespengift reagieren, könnten diese Bereiche so stark anschwellen, dass der Betroffene keine Luft mehr bekommt. Sollte der Patient einen anaphylaktischen Schock entwickeln (sehr niedriger Blutdruck, Bewusstseinsstörung, schneller Puls), sollte er in die Schocklage (Beine hochlagern) verbracht werden. Alarmieren Sie spätestens jetzt umgehend den Rettungsdienst. Kontrollieren Sie ständig die Vitalfunktionen. Sollte tatsächlich der seltene Fall eintreten, dass der Betroffene einen Herzkreislaufstillstand erleidet, beginnen Sie sofort mit der Wiederbelebung.

Besser vorbeugen!
Am besten ist es natürlich, sich gar nicht erst von einer Wespe oder Biene stechen
zu lassen. Hierzu gibt es ein paar Regel im Umgang mit Wespen und Bienen, um
eine schmerzhafte Konfrontation zu vermeiden:

  • Befindet sich eine Wespe in Ihrer Nähe, dann bleiben Sie ruhig. Vermeiden Sie hektische Bewegungen.
  • Schlagen Sie nicht nach dem Tier, es fühlt sich sonst angegriffen.
  • Gerade süße Nahrungsmittel haben es den Wespen und Bienen angetan. Kontrollieren Sie, bevor Sie etwas im Freien essen, ob sich nicht ein Stechinsekt auf der Speise befindet. Das gleiche gilt auch für Getränke.
  • Laufen Sie nicht barfuß über Blumenwiesen, unter den Pflanzen verstecken  sich viele Bienen, Wespen und Hummeln.
  • Sprechen Sie auch mit Ihren Kindern darüber. Die Panik beim Erscheinen einer Wespe ist fast in allen Fällen von den Eltern anerzogen.
  • Halten Sie sich an einer Stelle auf, an der sehr viele Wespen unterwegs sind,macht es Sinn, den Kinderwagen mit einem Moskitonetz zu bedecken.


Quelle
Bundesfeuerwehrarzt Dr. med. Hans-Richard Paschen
Bundesfeuerwehrarzt Dr. Paschen ist der Vertreter des Deutschen Feuerwehrverbands
in allen medizinischen Fragen. Er ist erfahrener Notfallmediziner und Chefarzt
in einer Hamburger Klinik.

http://www.feuerwehrverband.de/erste-hilfe-kompakt.html

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